damit es hier nicht ganz so leer ist, erlaube ich mir, einen bereits in anderen Foren veröffentlichten Baubericht hier noch mal einzustellen.
Beim Mci wird das Fahrwerk komplett erneuert, Basis ist ein Bastelbericht für das MCi-Untergestell im jüngsten Hp1.
Diesmal gibt es für das Fahrwerk allerdings keine Ätzteile, sondern einfache Messingprofile, die entsprechend befeilt und gesägt werden.
Angefangen habe ich mit den Kopfstücken bzw. Pufferbohlen. Erstes Problem: Die Bohlen müssten U-Profile mit den Maßen 3,6 x 1,15 mm sein, die gibts aber nicht. Also habe ich 4x1,5 mm U-Profil verwendet und runter gefeilt, auf jeder Seite werden 0,2mm abgenommen.
Das lässt sich relativ einfach und präzise bewerkstelligen: Zuerst habe ich den Schraubstock mit normalem Isolierband beklebt. Anschließend habe ich aus 0,2 mm dickem Zeichenkarton (250g Zeichenkarton) zwei Rechtecke ausgeschnitten, die etwa auf den Schraubstock passen. Die U-Profile wurden locker eingespannt, das Papier daneben gelegt, anschließend wurde das Profil mit einem flach liegenden Winkel so weit in den Schraubstock gedrückt, das es eine ebene Fläche mit dem Papier bildet; dann das papier weggenommen und die Profile abgefeilt, bis die Feile an allen Stellen übers Iso-Band rutscht. Das funktionierte erstaunlicherweise auf Anhieb und ging recht flott, hier mal ein Vergleich zwischen befeiltem und unbefeiltem Kopfstück:
Oben ist das unbearbeitete U-Profil, unten das schmaler gefeilte. Mit der gleichen Prozedur werden dann aus den 1,5 mm 1,15 mm - hier habe ich noch ein normales Blatt Papier dazu genommen, womit ich etwa 0,3 mm erreicht habe. Das Papier wird neben das Profil auf den Schraubstock gelegt, der Schraubstock darf noch nicht ganz fest angezogen sein, das Profil schaut über das Papier hinaus. Dann wird das Profil bspw. mit einem Winkel in den Schraubstock gedrückt, so das Papieroberkante und Profiloberkante bündig miteinander abschließen.
Anschließend heißt es: Abfeilen...
Dann können schon die Löcher für Puffer und Kupplung gebohrt werden, anschließend werden die Kopfstücke mit Hilfe eines Winkels auf einer entsprechend vorbereiteten Löt-Schablone an Hilfshaltern angelötet:
Als nächstes werden die äußeren Langträger auf Maß gebracht und probehalber eingesetzt, ebenso können schon die Querträger gesägt werden.
Die äußeren Längsträger vom MCi brauchen Löcher für die Nieten: Dafür habe ich aus den "Negativ"-Bohrschablonen (Löcher weiß, rest Schwarz) im Hp1 "Positiv"-Schablonen gemacht in der Länge des gesamten äußeren Trägers, also 122,2 mm. Die Schablone wurde dann einfach in den Langträger gelegt und an den Bohrstellen mit Sekundenkleber fixiert, mit der Stopfnadel gekörnt und gebohrt:
Anschließend habe ich die beiden Längsträger Rücken an Rücken verlötet und den ersten als Bohrschablone für den zweiten genutzt, so liegen sich die Achshalterbleche am Ende auch präzise gegenüber. Übrigens: Alle 72 Löcher mit nur einem Bohrer - bei 0,3 mm Bohrern ist das selten...
Das Fahrwerk habe ich dann verlötet, dummerweise mehrmals, weil es stellenweise verzogen war; Einer der äußeren Langträger hatte sich gelöst, den habe ich dann beim wieder anlöten offenbar zu sehr zur Mitte gedrückt, jedenfalls war dort der Ursprung des Knicks.
Jetzt sind die inneren Langträger drin, auf einer Seite auch schon das Dreieck für das Achsbremsgestänge:
Derweil habe ich schon mal den Wagenkasten unter die Lupe genommen...auhah, auf den ersten Blick auch etliche Baustellen, aber bis dahin dauerts noch.
Mittlerweile ist das Fahrwerk weitgehend fertig, lediglich der Bremszylinderträger fehlt noch; größte Strafarbeit waren die Stützwinkel an den Pufferbohlen, die sind aus L-Profilen 0,5 x 0,5 angefertigt und lassen sich dermaßen beschissen festhalten beim anlöten....
Hier kommt das Fahrwerk mal zum probeliegen unter dem MCi-Wagenkasten - es sieht schief aus, es liegt aber auch auch schief - zumindest sieht es beim nachmessen gerade aus;)
Dann habe ich ein bisschen mit der Zug-Druckfeder für die Kupplungen experimentiert, sieht von der Unterseite fast normal aus...
...hat aber nach einer Runde experimentellen freihändigen Fräsens innere Werte:
Wenn man auf dem Foto mit der Unteransicht genau hinsieht, erkennt man die eine oder andere Ausbeulung - da ist das Material nur noch hauchdünn vorhanden, daher die Beulen. Die Zugstangen für die Kupplungshaken liegen parallel in einer Feder und sind am entgegengesetzten Ende einfach hochgebogen; auf die Weise wird die Kupplung nicht auf einer Seite angezogen, wenn die Kupplung auf der anderen Seite belastet wird.
Die Achshalter inclusive der Vernietung sind als nächste dran, die Zug-Druck-Feder für die Kupplungen wird eingebaut und die Sockel für Puffer und Kupplungen. Die Teile liessen sich nur widerwillig verlöten: Die Puffersockel bestehen aus 4 Teilen, die verlötet werden müssen und die sich natürlich gerne wieder selbst zerlegen, wenn man das ganze an die Pufferbohle lötet. Deshalb war ich nach mehreren Versuchen froh, als sie annähernd so saßen wie sie sollten, mit den Toleranzen von 0,1mm kann ich leben, besser löten kann ich sie nämlich nicht

Die Sockel für die Puffer sind aus dem Ätzteileset für den MCi aus dem Bahnsinnsshop, die Sockel für die Kupplungen sind aus 1,5 x 1 mm U-Profilen, die ich gebohrt und aufgefeilt habe, anschließend wurde ein rechteckiger 0,1mm Neusilberrahmen aus der MCi-Ätzplatine aufgelötet.
Die Niete an den Achshaltern sind nicht ganz gleichmäßig in der Höhe, was aber an dem lackierten Modell hoffentlich nicht mehr auffällt.
Mittlerweile habe ich mich dann an den Bausatz der Hik-Bremse von Christoph von Neumann gewagt, ein Fummelgenuß ganz besonderer Art. Vor allem die Mini-Ringe, die man noch auf die Niet-Stifte setzt, sind ein ganz besonderer Genuß - mein Fußboden hat davon mehr abbekommen als die Bremse

Tückisch ist auch das verlöten der Bremse am Messingrahmen: Bis die Schleudergußteile Löttemperatur haben, verabschieden sich die Messingprofile; vor allem die Halterung für den Bremszylinder aus 0,5 x 0,5mm L-Profilen ist schneller heiß als ein Lämmchen mit dem Schwanz wackelt...
Die Bremsanlage stellt für mich nach wie vor eine ziemliche Herausforderung dar, weil sie aus einer Vielzahl an kleinen, schlecht zu fixierender und an die richtige Position zu bringender Einzelteile besteht - insgesamt 17 einzelne Teile, die im Fahrwerk zusammengebaut werden müssen. Insofern sind die Bremsen nicht hundertprozent genau am Rad ausgerichtet, das hat einfach nicht geklappt. Ich hoffe, dass das später nicht mehr allzu drastisch auffällt bzw. ich später noch eine Korrektur machen kann, wenn ich für das Problem mit den Rechteckschaken und Federn eine adäquate Lösung gefunden habe.
Als erstes habe ich die Hängeeisen mit Bremsdreiecken und Bremsklötzen zusammengelötet, so das die Hängeeisen etwa im rechten Winkel zu dem Bremsdreiecken stehen und die Bremsbacken in Radebene sitzen. Dann kommen beide Teile an das Fahrwerk, am "spitzen" Ende des Dreiecks für das Achsbremsgestänge sitzt jetzt in der korrigierten Fassung auch der Festpunktbock der Bremse (das ist das kleine T-Eisen an der Spitze des Dreiecks...).
Die Bremsen sollte man jetzt mit den probehalber eingesetzten Rädern ausrichten, hinterher wird das schwierig.
Die Bremshebel werden auf der einen Seite ans Bremsdreieck gelötet, auf der anderen Seite an den Festpunktbock. Dann kommt der schwierige Teil der Operation: Das unterste Loch der Bremshebel und den Festpunktbock mit einem 0,3mm Bohrer aufbohren:
Wenn diese Bohrung sitzt, dann kommt ein 0,3 mm Niet durch, anlöten, weiter: die Verbindung zwischen den Bremshebeln wird auf einer Seite mit einem Stück 0,3 mm Draht an dem bereits angelöteten Teil fixiert, auf der anderen Seite werden die Bremshebel auf die entsprechenden Drahtenden des Bremsdreiecks geschoben, im mittleren Loch wird ebenfalls ein Stück Draht durch die Löcher in den Bremshebeln und das Verbindungsstück eingefädelt - 3 freipendelnde Kleinteile, klasse Nummer...
Anschließend wird wieder alles verlötet.
Dann kommen noch die "Halteeisen" dran, die in der Mitte der Bremshebel und auf das L-Profil des Bremsträgerdreiecks gelötet werden. "Eisen" ist hier schamlos übertrieben:
Im vorderen Teil zu sehen ist die Hauptbremszugstange. Besondere Hinterlist: Das Ding muss am Ende plattgedrückt und dann durchgebohrt werden, das durchbohrte Ende kommt unten zwischen die Bremshebel gegenüber dem Festpunktbock und wird da mit einem durchgesteckten 0,3mm Draht aufgefädelt; damit ihr die Stelle findet, hier noch ein Bild mit rotem Kringel: dort ist das 0,3 mm Loch im Bremshebel:
Auf der einen Seite ist das mit den plattgedrückten Enden besonders fies, da muss das ganze nämlich so einerseits in den Hebeln am Bremszylinder selbst und im Bremstgestänge so sein. Dort habe ich erst nur eine Seite durchbohrt, mit Niet und Unterlegscheibe eingelötet, dann die vorher auf Maß abgelängte und entsprechend um 90° verstetzt plattgedrückte Stange zwischen die Bremshebel gelötet und dort erst dann gebohrt...
Hier ist das Ergebnis mit eingelöteten Bremszugstangen, auf der linken Seite die einseitig geplättete und durchbohrte:
und die rechte Seite mit der beidseitig geplätteten und gebohrten...
Das ganze Fahrwerk:
Die nächsten Schritte werden vorraussichtlich erst nach meinem derzeit anstehenden Umzug folgen, vermutlich frühestens in der zweiten Novemberhälfte.
Sollte jemand einen guten Tip für mich haben, wie sich Rechteckschaken herstellen lassen, ich wäre für jeden Hinweis dankbar.
Bis denn
Michael
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